Vitamin C – Der unterschätzte Schlüssel für Immunsystem, Kollagen, Energie und Regeneration


Vitamin C (Ascorbinsäure) gehört zu den bekanntesten Vitaminen überhaupt. Viele verbinden es in erster Linie mit Orangen, Zitronen und Erkältungen. Tatsächlich ist Vitamin C jedoch an Hunderten biochemischen Reaktionen beteiligt und für nahezu jede Körperzelle von Bedeutung.


Interessanterweise enthalten viele Gemüsesorten deutlich mehr Vitamin C als die meisten Obstsorten. Gleichzeitig ist Vitamin C weit mehr als ein klassisches „Erkältungsvitamin“ – es unterstützt unter anderem den Knochenstoffwechsel, die Kollagenbildung, den Energiestoffwechsel, das Nervensystem sowie die körpereigene Regeneration.




Die besondere Geschichte des Menschen


Fast alle Säugetiere können Vitamin C selbst herstellen – beispielsweise Hunde, Katzen, Pferde oder Kühe. Die Herstellung erfolgt aus Glukose in der Leber (bei einigen Tierarten in den Nieren).


Der Mensch, andere Menschenaffen, Meerschweinchen sowie einige Fledermäuse besitzen diese Fähigkeit aufgrund einer genetischen Veränderung nicht mehr.


Besonders spannend ist dabei eine Beobachtung:


Viele Säugetiere erhöhen ihre körpereigene Vitamin-C-Produktion deutlich, wenn sie krank sind, unter Stress stehen, verletzt wurden oder eine Infektion haben. Teilweise werden dann mehrere Gramm Vitamin C pro Tag zusätzlich gebildet.


Der zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling leitete daraus seine bekannte Hypothese ab:


“Wenn Tiere ihre Vitamin-C-Produktion bei Krankheit automatisch steigern, könnte es sein, dass auch der Mensch in solchen Situationen einen deutlich höheren Bedarf hat – diesen jedoch ausschließlich über Nahrung oder Nahrungsergänzung decken muss.”


Diese Überlegung wird bis heute wissenschaftlich diskutiert. Gesichert ist, dass der Vitamin-C-Verbrauch bei Infektionen und Entzündungen tatsächlich ansteigt. Ob daraus generell ein Bedarf von mehreren Gramm täglich entsteht, ist bislang jedoch nicht eindeutig belegt.




Welche Aufgaben erfüllt Vitamin C?


Vitamin C gehört zu den vielseitigsten Mikronährstoffen unseres Körpers.


Es wird benötigt für:


• normale Funktion des Immunsystems


• Bildung von Kollagen


• gesunde Haut


• Blutgefäße


• Knochen


• Knorpel


• Sehnen und Bänder


• Wundheilung


• Schutz vor oxidativem Stress


• Aufnahme pflanzlichen Eisens


• Bildung von Carnitin


• Bildung des Neurotransmitters Noradrenalin


• normale Funktion der Nebennieren


• zahlreiche Enzymreaktionen




Vitamin C und Kollagen – viel mehr als schöne Haut


Kollagen ist das häufigste Eiweiß des menschlichen Körpers.


Es bildet das Grundgerüst von Haut, Blutgefäßen, Knochen, Knorpel, Bändern, Sehnen und Zahnfleisch.


Ohne ausreichend Vitamin C kann stabiles Kollagen nicht gebildet werden.


Deshalb war Skorbut früher nicht nur eine Erkrankung mit Zahnfleischbluten. Auch schlechte Wundheilung, brüchige Blutgefäße, Gelenkbeschwerden und eine verminderte Stabilität des Bindegewebes gehörten dazu.




Vitamin C und Knochen


Viele Menschen denken bei Osteoporose ausschließlich an Calcium und Vitamin D.


Dabei wird häufig übersehen, dass Knochen zunächst ein stabiles Kollagengerüst benötigen, bevor Mineralstoffe eingelagert werden können.


Vitamin C trägt daher wesentlich zu einem gesunden Knochenstoffwechsel bei.




Vitamin C und Carnitin


Ein weniger bekannter Aufgabenbereich betrifft die Bildung von Carnitin.


Carnitin transportiert Fettsäuren in die Mitochondrien, wo daraus Energie gewonnen wird.


Für die körpereigene Carnitin-Synthese werden benötigt:


Vitamin C


Eisen


Vitamin B6


Niacin


die Aminosäuren Lysin und Methionin


Gerade Menschen, die wenig oder kein Carnitin über tierische Lebensmittel aufnehmen – beispielsweise bei veganer Ernährung – sind auf eine gut funktionierende körpereigene Synthese angewiesen.




Vitamin C und das Nervensystem


Vitamin C wird außerdem für die Bildung des Neurotransmitters Noradrenalin benötigt.


Noradrenalin spielt eine wichtige Rolle für Aufmerksamkeit, Konzentration, Wachheit, Stressreaktion und die Regulation des Blutdrucks.


Interessanterweise gehören die Nebennieren zu den Organen mit den höchsten Vitamin-C-Konzentrationen des gesamten Körpers.




Vitamin C unterstützt die körpereigene Entgiftung


Vitamin C gehört zu den wichtigsten wasserlöslichen Antioxidantien.


Während Stoffwechsel- und Entgiftungsprozessen entstehen freie Radikale. Vitamin C hilft dabei, diese zu neutralisieren und schützt dadurch die Zellen vor oxidativen Schäden.


Außerdem regeneriert es Vitamin E und arbeitet eng mit dem Glutathion-System zusammen.


Auch Umweltbelastungen wie Zigarettenrauch, Luftschadstoffe oder Schwermetalle können den Vitamin-C-Verbrauch erhöhen.




Wo steckt besonders viel Vitamin C drin?


Viele Menschen denken zuerst an Obst.


Tatsächlich liefern einige Gemüsesorten deutlich mehr Vitamin C.


Besonders empfehlenswert sind:


Rote Paprika


Brokkoli


Rosenkohl


Grünkohl


Kohlrabi


Petersilie


Auch Obst liefert wertvolles Vitamin C.


Besonders günstig ist dabei das Verhältnis von Vitamin C zu Fruchtzucker bei:


Kiwi


Erdbeeren


Schwarzen Johannisbeeren


Zitrusfrüchten


Wer seinen Blutzucker im Blick behalten möchte, kann den Großteil seines Vitamin-C-Bedarfs problemlos über Gemüse decken.




Was passiert beim Kochen?


Vitamin C ist hitze- und wasserempfindlich.


Das bedeutet jedoch nicht, dass gekochtes Gemüse kaum noch Vitamin C enthält.


Besonders schonend sind Dämpfen, Dünsten und kurze Garzeiten.


Beim langen Kochen in viel Wasser gehen dagegen größere Mengen verloren.




Wann steigt der Bedarf?


Für gesunde Menschen reicht eine abwechslungsreiche Ernährung in den meisten Fällen aus.


Es gibt jedoch Situationen, in denen der Vitamin-C-Umsatz deutlich ansteigen kann.


Dazu gehören beispielsweise:


Akute Infektionen


Chronische Entzündungen


Rheumatische Erkrankungen


Chronische Darmerkrankungen mit eingeschränkter Aufnahme


Rauchen


Starke körperliche Belastung


Leistungssport


Psychischer Dauerstress


Operationen


Verletzungen


Wundheilung


Verbrennungen


Erhöhte Belastung durch Umweltgifte oder Schwermetalle


Bestimmte Medikamente, beispielsweise eine langfristige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS), Kortisonpräparaten oder östrogenhaltigen Verhütungsmitteln.


Bei vielen dieser Situationen konnte gezeigt werden, dass die Vitamin-C-Spiegel im Blut absinken.




Vitamin C ist wasserlöslich – was bedeutet das?


Vitamin C verhält sich anders als fettlösliche Vitamine.


Es gibt keinen großen Langzeitspeicher, der zunächst vollständig aufgefüllt werden müsste.


Der Körper benötigt Vitamin C täglich für zahlreiche Stoffwechselvorgänge.


Steigt der Verbrauch über längere Zeit an, beispielsweise durch chronische Entzündungen, wiederkehrende Infektionen oder oxidativen Stress, kann die normale Ernährung allein unter Umständen nicht mehr ausreichen, um den laufenden Bedarf vollständig zu decken.


Dadurch kann die Versorgung verschiedener Vitamin-C-abhängiger Stoffwechselprozesse beeinträchtigt werden.


Deshalb sollte bei einem dauerhaft erhöhten Bedarf immer auch nach der eigentlichen Ursache gesucht werden.


Eine Nahrungsergänzung kann helfen, den erhöhten Bedarf auszugleichen. Langfristig ist es jedoch ebenso wichtig, chronische Entzündungen, Infektionen oder andere Belastungen – soweit möglich – zu erkennen und zu behandeln.


Wird die Ursache beseitigt oder reduziert, normalisiert sich in vielen Fällen auch der Vitamin-C-Bedarf wieder.




Vitamin C und Erkältungen


Vitamin C verhindert Erkältungen nicht zuverlässig.


Studien zeigen jedoch, dass eine gute Versorgung die Dauer einer Erkältung häufig etwas verkürzen und den Verlauf mildern kann.


In der orthomolekularen Medizin wird teilweise die sogenannte Bowel-Tolerance-Methode nach Dr. Robert Cathcart angewendet.


Dabei wird die Vitamin-C-Dosis schrittweise erhöht, bis die individuelle Verträglichkeitsgrenze erreicht wird.


Interessanterweise berichten viele Menschen während akuter Infektionen, dass sie deutlich höhere Mengen vertragen als im gesunden Zustand.


Diese Beobachtung wird als Hinweis auf einen erhöhten Vitamin-C-Verbrauch interpretiert. Wissenschaftlich gilt sie jedoch bislang nicht als gesicherter Nachweis für den tatsächlichen Bedarf.




Welche Formen von Vitamin C gibt es?


Ascorbinsäure


Die klassische Ascorbinsäure ist die am besten untersuchte Form.


Vorteile


Preiswert


Gut untersucht


Hohe Dosierungen möglich


Mögliche Nachteile


Bei empfindlichen Menschen können größere Mengen Magenbeschwerden, Sodbrennen oder Durchfall verursachen.


Da Vitamin C wasserlöslich ist, werden größere Tagesmengen häufig besser auf mehrere Portionen über den Tag verteilt.



Calciumascorbat


Calciumascorbat ist eine gepufferte, weniger saure Form.


Viele Menschen empfinden sie als magenfreundlicher.


Allerdings wird gleichzeitig Calcium aufgenommen.


Bei kleinen Mengen ist dies meist unproblematisch.


Wer jedoch dauerhaft mehrere Gramm Calciumascorbat täglich einnehmen würde, nähme gleichzeitig erhebliche Mengen Calcium zusätzlich auf. Deshalb eignet sich diese Form meist eher für kleinere Dosierungen oder Menschen mit empfindlichem Magen.




Liposomales Vitamin C


Beim liposomalen Vitamin C wird die Ascorbinsäure in winzige Liposomen eingeschlossen. Diese bestehen aus einer Hülle aus Phospholipiden, die den Zellmembranen des Körpers ähnelt.


Dadurch soll das Vitamin C besser vor dem Abbau im Verdauungstrakt geschützt werden und eine höhere Aufnahme ermöglichen. Studien deuten darauf hin, dass mit liposomalem Vitamin C höhere Blutspiegel erreicht werden können als mit der gleichen Menge herkömmlicher Ascorbinsäure. Die Datenlage ist jedoch noch begrenzt.


Liposomales Vitamin C kann insbesondere für Menschen interessant sein, die größere Mengen Ascorbinsäure schlecht vertragen oder bei denen eine möglichst gute Aufnahme mit einer oralen Einnahme angestrebt wird.


Eine hochdosierte Vitamin-C-Infusion kann es jedoch nicht ersetzen.




Hochdosierte Vitamin-C-Infusionen


In einigen naturheilkundlichen Arztpraxen und Heilpraktikerpraxen werden hochdosierte Vitamin-C-Infusionen angeboten.


Da das Vitamin C direkt in die Blutbahn gelangt, können deutlich höhere Blutkonzentrationen erreicht werden als mit einer oralen Einnahme.


Sie kommen insbesondere dann infrage, wenn eine ausreichende Versorgung über den Darm nicht möglich erscheint oder im Rahmen eines naturheilkundlichen Therapiekonzeptes gezielt hohe Blutspiegel angestrebt werden.


Ob eine solche Behandlung sinnvoll ist, sollte individuell durch entsprechend qualifizierte Therapeuten beurteilt werden.




Gibt es Risiken?


Vitamin C gilt insgesamt als sehr sicher.


Sehr hohe Mengen können jedoch:


Durchfall verursachen


Magenbeschwerden auslösen


die Oxalatausscheidung im Urin erhöhen


Für die meisten gesunden Menschen stellt dies kein Problem dar.


Menschen, die bereits Calciumoxalat-Nierensteine hatten oder dazu neigen, sollten hohe Dosierungen jedoch mit ihrem Arzt oder Therapeuten besprechen.


Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist dabei besonders wichtig.


Einige Fachautoren weisen außerdem darauf hin, dass Citrate, beispielsweise Magnesiumcitrat oder Kaliumcitrat, das Risiko bestimmter Nierensteine verringern können. Dies ersetzt jedoch keine individuelle medizinische Beratung und stellt keinen vollständigen Schutz dar.




Warum eine ausreichende Versorgung so wichtig ist


Vitamin C ist weit mehr als ein Erkältungsvitamin.


Es unterstützt das Immunsystem, die Kollagenbildung, den Knochenstoffwechsel, die Bildung von Carnitin und Noradrenalin, schützt die Zellen vor oxidativem Stress und trägt zu zahlreichen Stoffwechselprozessen bei.


Eine gemüsebetonte Ernährung liefert häufig bereits beachtliche Mengen Vitamin C.


In bestimmten Lebenssituationen oder bei chronischen Erkrankungen kann der Bedarf jedoch erhöht sein. Dann kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein – idealerweise begleitet von einer Suche nach den Ursachen des erhöhten Verbrauchs.


Denn langfristige Gesundheit bedeutet nicht nur, Nährstoffe zuzuführen, sondern auch die Belastungen des Körpers zu verstehen und – wenn möglich – zu reduzieren.

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